Hochschul-Ombudsstellen als europäisches Thema

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Semestereröffnungskonferenz des tschechischen Ministeriums für Hochschulwesen in Prag:

Bei der jährlichen Semestereröffnungskonferenz des tschechischen Hochschulministeriums am 8. und 9. September in Prag stand auch das Thema „Hochschul-Ombudsstellen“ auf der Tagesordnung. Auf Einladung des Vizeministers für Hochschulwesen, Wissenschaft und Forschung, Pavel Doleček, nahm der Hochschul-Ombudsmann im österreichischen Wissenschaftsministerium in Wien und Präsident des Europäischen Hochschul-Ombudsmann-Netzwerks ENOHE, Josef Leidenfrost, als Experte an der Konferenz teil.
In seinem Grundsatzreferat „Der Hochschul-Ombudsmann in Österreich / in Europa: Beobachtungen, Empfehlungen“ stellte Leidenfrost die jüngsten Entwicklungen in Österreich vor, die durch eine zentrale Ombudsstelle im Ministerium und 11 dezentrale Ombudsstellen an Hochschulen gekennzeichnet sind. Diese Stellen sind im so genannten „Hochschulombudsnetzwerk“ miteinander vernetzt. Die Hauptaufgaben dieses Netzwerks sind der Aufbau und die Pflege von Kontakten zwischen seinen Mitgliedern, um bestehende Ombudsstellen zu professionalisieren und andere bei der Einrichtung und internen institutionellen Verankerung solcher Stellen zu unterstützen. Im Hinblick auf aktuelle europäische Entwicklungen verwies Leidenfrost auf die Bedeutung des Kommuniqués von Rom, das von 48 europäischen Hochschulministern im November 2020 verabschiedet wurde. Für die Tschechische Republik hatte der tschechische Minister für Hochschulbildung Robert Plaga das Dokument unterzeichnet. Dies ist das erste Mal, dass die Bedeutung der Einrichtung von Ombudsstellen für die Hochschulbildung, die bei der Sicherung der Rechte der Studierenden helfen sollen, in einem offiziellen europäischen Dokument dargelegt wird. Ombudsleute sollten in der Lage sein, in Konflikten zu vermitteln, insbesondere in Fragen der Gleichberechtigung, die beim Zugang zur oder der Teilnahme an der Hochschulbildung auftreten können, oder in Konflikten, die den Abschluss des Studiums behindern.

ENOHE, das European Higher Education Ombudsman Network (Europäisches Netzwerk der Ombudsleute für die Hochschulbildung), erklärte Leidenfrost, sei bereit, bei der Schaffung und Entwicklung solcher Einrichtungen zu helfen. Als grundlegende Kriterien für Ombudsmann-Einrichtungen wurden 2015 von ENOHE die sogenannten „Innsbruck Descriptors“ erstellt. ENOHE bietet europaweite Webinare, jährliche persönliche oder digitale Konferenzen und verschiedene Arten von Publikationen an. Mittlerweile haben einige tschechische Universitäten bereits Ombudsstellen eingerichtet und in Betrieb.
In der anschließenden Publikumsdiskussion ging es um den institutionellen Mehrwert von Ombudsleuten für Hochschulen, um ihre organisatorische Einbettung in bestehende Strukturen, um die Beziehungen zu Studierendenvertretern, um die Notwendigkeit von Empathie und Selbstermächtigung sowie um Mediation als besonderes Instrument des Konfliktmanagements. Besonderes Augenmerk wurde in der Diskussion auch auf die Situation von Promovierenden und internationalen Studierenden gelegt. Bilaterale Gespräche fanden mit Vertretern der Karlsuniversität in Prag, der Janáček-Akademie für Musik und darstellende Kunst in Brünn und der Palacky-Universität in Olomouc statt.

v.l.n.r.: Robert Plaga (Minister für Hochschulbildung), Josef Leidenfrost, Leiter der Ombudsstelle für Studierende
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